Neuen Kommentar hinzufügen
Die OPEC – Böses Kartell oder guter Anwalt?
Eingetragen von Zeppi. | 30 Dezember, 2010 - 16:24| In der öffentlichen Wahrnehmung ist uns die OPEC, wenn überhaupt, meist als böses Kartell von Ölstaaten bekannt, das die westliche Welt in ihrer Öl-Abhängigkeit um immer höhere Preise erpressen will. Doch ist das die ganze Wahrheit? Im OPEC-Workshop haben wir versucht, uns der Thematik zu nähern. | ![]() |
Die Organisation of Petroleum Exporting Countries wurde 1960 in Bagdad von Kuwait, Saudi- Arabien, Iran, Irak und Venezuela gegründet. Später traten folgende Länder dauerhaft hinzu: 1961 Katar, 1962 Libyen, 1967 die vereinigten arabischen Emirate (VAE), 1969 Algerien, 1971 Nigeria und 2007 Angola und Ecuador. Die Mitgliedsstaaten kontrollieren zusammen 40% der weltweiten Ölförderung und sitzen auf 75% der weltweiten Ölreserven.
Die OPEC hat ihren Sitz und ihr Sekretariat in Wien. Ihre Entscheidungen werden im Konsensprinzip getroffen, d.h. jedes Mitgliedsland hat jederzeit Veto-Recht.
Die OPEC hat die Ölkrise ausgelöst!
Oftmals wird die OPEC mit der Ölkrise 1973 in Zusammenhang gebracht, vorher war die Organisation vielen Menschen nicht einmal begrifflich bekannt. Der Ölpreisschock der 1970er geht jedoch nur auf einen Teil der OPEC-Mitglieder zurück (die Ölstaaten am persischen Golf) und war im Wesentlichen eine Reaktion auf Amerikas Hilfeleistungen für Israel im Krieg gegen Ägypten. Da jedoch die dahinter stehenden Zusammenhänge nicht in einer Überschrift der BILD-Zeitung zu erklären sind, wurde in der westlichen Welt das Vorurteil geprägt, die gesamte OPEC sei das Sinnbild der bösen, raffgierigen Ölstaaten.
Zu bedenken ist dabei besonders die Importabhängigkeit der westlichen Welt und der in den 1970ern gegenwärtige Ost-West- Konflikt.
Aber die OPEC will nur die Preise manipulieren!
Als Kartell gegründet, ist es tatsächlich erklärtes Ziel der OPEC, den Ölpreis über eine Drosselung der Fördermengen zu beeinflussen. Jedoch muss die Ausgangssituation betrachtet werden.
Seit der Kolonialzeit wurde der weltweite Ölmarkt von den sogenannten “7 Schwestern” kontrolliert, sieben vertikal integrierten Ölkonzernen – davon 5 mit Sitz in den USA. Ein Überangebot an Öl kennzeichnete den globalen Markt, in dem aufgrund der Aktivitäten der “7 Schwestern” kaum marktwirtschaftliche Verhältnisse vorherrschten.
Stattdessen versuchten diese, durch langfristige Verträge die Preisbildung in ihre Hinterzimmer zu verlegen und Wettbewerb zu verhindern. Diese Unternehmen hatten durch Exploration der Ölvorkommen in vielen Ländern erst die Förderung angestoßen und besaßen Konzessionsverträge, die ihnen die Rechte an den Ölfeldern gegen (aus heutiger Sicht lächerlich geringe) Abschläge garantierten. Ende der 1960er Jahre hatte der Ölpreis einen Tiefpunkt erreicht, die Öl fördernden Länder konnten mit den nur noch geringen von den Konzernen erhaltenen Abgaben ihre Haushalte nicht aufrecht erhalten.
Die OPEC-Gründungsmitglieder übernahmen an dieser Stelle die Kontrolle (indem sie beispielsweise, auch dies ist ein OPEC-Ziel, Unternehmen verstaatlichten) und zerstörten die Stellung der “7 Schwestern”.
Sie etablierten mit ihren Mitgliedsländern ein Quotensystem für Fördermengen, um einen ruinösen Wettbewerb um immer geringere Preise zu verhindern und endlich einen aus ihrer Sicht “fairen” Ausgleich für die Ressourcenausbeutung zu erhalten.
Die OPEC-Staaten waren allesamt vor der Entdeckung der Ölvorkommen bettelarme Entwicklungsländer. Hätte die OPEC nicht die Fördermengen gedrosselt, wäre in den Ölstaaten die Förderkapazität so immens ausgeweitet worden, dass der Ölkurs dem endgültigen Verfall preisgegeben worden wäre. An dieser Stelle der Geschichte hatten sogar die USA ein Interesse an den durch die OPEC erreichten hohen Ölpreisen, weil die amerikanische Ölindustrie aufgrund ihrer Kostensituation nicht konkurrenzfähig gewesen wäre!
Aber Kartelle sind doch verboten!
Ja, aber das gilt nur für Kartelle von Unternehmen. Ein Kartell von Staaten wie die OPEC könnte nur durch eine übergeordnete Instanz verboten werden, die nicht exisitiert. Aber vielleicht sollte im Zusammenhang mit der Kritik am Kartell bedacht werden, dass die Etablierung eines weltweiten Handelsmarktes für Öl auf die OPEC-Aktivitäten zurückgeht. Vorher war das allermeiste Öl in der Hand von sieben Konzernen.
Das klingt alles gar nicht so schlimm, wieso ist die OPEC denn dann so umstritten?
In der OPEC sitzen Venezuela und der Iran an einem Tisch und feilschen über Ölförderquoten. Das Bündnis kennt keine ethischen Grundsätze, nur Geld. Viele OPEC-Länder haben die Gewinne aus den Ölverkäufen nicht in Verbesserungen für ihre Bevölkerung eingesetzt, oder um andere Wirtschaftszweige aufzubauen für die Zeit nach dem Öl.
Der vor 50 Jahren eingeforderte “faire Ausgleich” hat in der Verteilungsfrage keinen Niederschlag gefunden, die einfache Bevölkerung profitierte kaum von den Öldevisen. Stattdessen wurde und wird das Geld für irrational teure Prestigebauten ausgegeben, für's Porsche-fahren in der Wüste und einen prunkvollen Lebensstil oder (wie z.B. im Fall Gaddafis) für Militär und Staatsterrorismus.
Die OPEC-Mitgliedsstaaten sind keine Demokratien, sondern durchkorrumpierte Diktaturen, teilweise auch politisch völlig instabil oder von Militärherrschaft und Bürgerkrieg geprägt.
Die staatlichen Ölgesellschaften kümmern sich einen Dreck um die Umweltschäden durch die Ölförderung, und in Venezuela hat der Sozialismus sogar schon die Pressefreiheit besiegt.
Die einzelnen Mitgliedsstaaten betrügen sich gegenseitig und fördern teilweise doppelt so viel, wie laut Förderquotensystem zugewiesen wurde. Weil die OPEC aber so transparent arbeitet, sind die Quoten natürlich geheim.
Die OPEC garantiert keine Solidarität und keinen Frieden, sonst hätten die Golfkriege zwischen Iran, Irak, Kuwait und Saudi-Arabien (allesamt OPECMitglieder!) wohl kaum stattgefunden. Die OPEC ist also nicht auf ihr Wirken als Wirtschaftskartell zu reduzieren, vielmehr spielt die ganze Palette der politischen Konflikte dieser Welt seit der Gründung der OPEC eine wesentliche Rolle in ihrem Handeln. Ihr Kurs war nie stringent, sondern zumeist pragmatisch, manchmal auch völlig falsch. Die Wichtigkeit der OPEC hat trotz allem, nach ihrem zeitweisen Verblassen in den 1990ern, wieder zugenommen und wird aufgrund der Peak-Oil-Situation in den anderen Öl fördernden Staaten noch weiter zunehmen.
Und was denken wir dazu?
Eine nicht repräsentative Umfrage bei der Winterschule ergab ein indifferentes Meinungsbild.
Neben einigen eindeutigen Positionierungen waren die meisten Teilnehmer_innen in ihrer Einschätzung zwiegespalten.
Kommentare dazu waren z.B. „schlecht, weil Monopol“ und „unklar ob gut oder schlecht, aber in diesem System schon verständlich“.
Je tiefer mensch in die Thematik eintaucht, desto schwerer wird eine klare Einordnung. Am wichtigsten ist es daher vielleicht, sich einen guten Überblick über Geschichte und Entwicklung dieser obskuren Organisation zu verschaffen, um die nächste Pressemeldung mit dem Buzzword OPEC richtig einordnen zu können und nicht der Jounalistenmeinung hilflos ausgeliefert zu sein.
Autor: Michael Pütz
Größte Ölförderer
Rang Staat Mio t in 2009 Anteil in %
1 Russland 494,2 12,9
2 Saudi-Arabien 459,5 12,0 *
3 USA 325,3 8,5
4 Iran 202,4 5,3 *
5 China 189,0 4,9
6 Kanada 155,7 4,1
7 Mexiko 147,5 3,9
8 Venezuela 124,8 3,3 *
9 Irak 121,8 3,2 *
10 Kuwait 121,3 3,2 *
11 VAE 120,6 3,2 *
12 Norwegen 108,3 2,8
13 Brasilien 100,4 2,6
14 Nigeria 99,1 2,6 *
15 Angola 87,4 2,3 *
16 Kasachstan 78,0 2,0
17 Algerien 77,6 2,0 *
18 Libyen 77,1 2,0 *
19 Großbritannien 68,0 1,8
20 Katar 57,9 1,5 *
21 Aserbaidschan 50,6 1,3
22 Indonesien 49,0 1,3
23 Oman 38,5 1,0
24 Indien 35,4 0,9
25 Ägypten 35,3 0,9
26 Kolumbien 34,1 0,9
27 Argentinien 33,8 0,9
28 Malaysia 33,2 0,9
29 Ecuador 25,2 0,7 *
30 Sudan 24,1 0,6
31 Australien 23,6 0,6
32 Syrien 18,7 0,5
33 Vietnam 16,8 0,4
34 Äquatorialguinea 15,2 0,4
35 Kongo, Republik 14,1 0,4
36 Jemen 14,0 0,4
37 Thailand 13,6 0,4
38 Dänemark 12,9 0,3
39 Gabun 11,4 0,3
40 Turkmenistan 10,2 0,3
…
64 Deutschland 2,8 0,1
mit *: OPEC-Mitglieder






